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(R)EVOLUTION DES HANDWERKS

Paradigmen und Positionen zum Handwerk: Vom Faustkeil zum Algorithmus

Forschung/Lehre

2019

Gegenwärtig erleben wir eine zunehmende Rückbesinnung in den Gestaltungsdisziplinen auf das klassische Handwerk. Dies äußerst sich in unterschiedlichsten Bereichen der Praxis wie auch der Wissenschaft und bedingt damit die Gestaltung. Mit jener Rückbesinnung traditioneller Arbeitskulturen entstehen gleichermaßen Irritationen: Begrifflichkeiten und Methoden bleiben hier oft unverstanden, Herkunft und Traditionen erfahren unzureichende Beachtung und allem voran die Frage: Ist es tatsächlich eine Rückbesinnung oder nicht viel mehr ein Phänomen, das sich aufgrund der sich in Veränderung befindenden Fertigungsverfahren in einer vermeintlichen Rückbesinnung zeigt, da nunmehr die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts vom Bedürfnis nach Singularitäten geprägt ist?

 

Ziel der Lehrveranstaltung ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Handwerks und dessen Bedeutung für die Gestaltung. Im Zentrum stehen hierbei die wesentlichen Paradigmen und Kontexte, die die heutige Vorstellung von Handwerk maßgeblich prägen. Schwerpunkt der Untersuchungen liegt bei den gestalterischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen ab dem 19. Jahrhundert bis in die digitale Gegenwart (Digitales Handwerk). Neben Referaten werden einschlägige Texte, Verfahren und Projekte herangezogen und diskutiert; dies mit dem Ziel, die Begrifflichkeit(en) des Handwerks zu entstauben, gar aus fehlerhaften Darstellungen zu „bergen”, um das Handwerk umfassend differenziert betrachten zu können und für gegenwärtige Produktkulturen in Zeiten des Digital Turns nutzbar zu machen.

 

Quartett-der-Handwerklichkeit_Michael-Braun

 

 

Die Abbildung (oben) zeigt eines der Ergebnisse aus dem Seminar. Neben Referaten und Essays wurde ein „Quartett der Handwerklichkeit“ von den Studierenden entwickelt. Dieses Quartett beinhaltet klassische Gewerke in unterschiedlichen Karten- bzw. Quartettfamilien. Bestehend aus Akteur (Berufsbild), Verfahren (Prozesse) und Werkzeug wurden diese Karten mit unterschiedlichen Parametern ausgestattet, die zur Auseinandersetzung mit klassisch handwerklichen Berufsbildern einladen und dadurch Zusammenhänge sichtbar machen.

 

Quartett-der-Handwerklichkeit_Michael-Braun_Vergleich-Werkzeug-analog-und-digital

 

 

Neben klassischen Werkzeugen und Verfahren finden sich darin ebenso hybride Werkzeuge wieder, die jene Berufsbilder in Zeiten der Digitalisierung zum Teil stark beeinflussen bzw. verändern. Während des Spielablaufs entstehen dabei relevante und zugleich spannende Fragestellungen – nicht nur über bspw. Performanz, Autorschaft/Urheberschaft oder Ästhetik, sondern auch Fragestellungen die sich aus dem kulturellen Kräftefeld allgemein ableiten, wie beispielsweise den Wert von Arbeit oder Arbeitskraft.

 

 

 

Copyright © 2019: Michael Braun